
Berichte und Ergebnisse:
1. Aus dem Bildungs-Info des Handels (Ausgabe 09/2006)
Multimediale Ausbildung im Einzelhandel: Die Zukunft hat begon-nen
Als 2004 endlich die neu geordneten, sehr zukunftsfähigen Ausbildungsberu-fe Verkäufer/Verkäuferin und Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel in einem stimmigen, den Betrieben bedarfsgerechte Gestaltungschancen eröffnenden Strukturkonzept in Kraft getreten sind, wurde auch der Weg zur breiteren Nutzung multimedialer Lernprogramme im Einzelhandel geebnet. Denn zwi-schen HDE, Ver.di und BMWi/BMBF war folgendes vereinbart worden: Es werden Lernarrangements entwickelt, "die in Form von Selbstlernhilfen (unter Einbeziehung von E-Learning) oder als Unterstützung für Bildungseinrichtungen zur Vorbereitung auf die Externenprüfung im Beruf Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel nach § 45 Abs. 2 BBiG neu geeignet sind. Das BIBB wird gebeten, diese Lernarrangements unter Einbeziehung von Sachverständigen der Sozialparteien zu entwickeln".
- Wesentliche Zielgruppe dieser seit
Ende 2004 durchgeführten Arbeiten sind also Absolventen des
Berufs Verkäufer/in, die sich außerhalb eines
betrieblichen Ausbildungsverhältnisses auf die sog.
Externenprüfung im dreijährigen Beruf Kaufmann/Kauffrau
im Einzelhandel vorbereiten wollen. Dieser unterstützte
Lernweg ergänzt die anderen, seit langem bewährten
Karriereoptionen für Verkäufer/Verkäuferinnen:
Sie bereiten sich auf die Fortbildungsprüfungen zum Geprüften Handelsfachwirt oder Geprüften Handelsassistenten-Einzelhandel vor - Nicht wenige können bei guten Prüfungsleistungen im Ausbildungsbetrieb im Rahmen eines Anschlussvertrages unter voller Anrechung der bisherigen Ausbildung das dritte Ausbildungsjahr absolvieren und dann die Prüfung zum/zur Kaufmann/Kauffrau machen
- Sie arbeiten im Einzelhandel und qualifizieren sich über betriebliche Nachwuchsförderprogramme oder zu späterer Zeit für berufliche Aufstiegspositionen
- Sie konzentrieren sich auf eine berufliche Fachkarriere im erlernten Beruf.
Den im Projekt Mitwirkenden (Auftragnehmer war und ist die Zentralstelle für Berufsbildung im Einzelhandel (zbb), Modern Learning leistet den IT-Technischen Input, das BZ Handel in Frankfurt/Oder lieferte Inhaltliches zu; im Beirat waren vertreten die Unternehmen Edeka, REWE und Metro, der HDE, Ver.di, das BZE Sachsen-Anhalt, BIBB, BMBF, BMWi) war von Anfang an klar, dass eine sehr anspruchsvolle Aufgabe zu bewältigen war: Ein umfangreiches und aufgrund der aufzunehmenden Inhalte sehr komplexes Lernprogramm, das dennoch für selbstorganisiertes Lernen geeignet ist, musste erstellt werden. Wir meinen, dass dies sehr gut gelungen ist; den "Härtetest" kann aber erst die Anwendung in der Praxis bringen, der in unterschiedlichen Lernzusammenhängen und "situationen erfolgen sollte " in der betrieblichen Ausbildung, in Bildungsmaßnahmen von über- oder außerbetrieblichen Bildungseinrichtungen, durch selbst organisiertes (Einzel-)Lernen, im Berufs-schulunterricht. Die Fachtagung im BIBB hat übrigens gezeigt, dass bei den anwesenden Unternehmen, Bildungseinrichtungen und zum Teil auch Berufsschulen die Bereitschaft vorhanden ist, diese neuen Lernarrangements einzusetzen.
Gabriele Lehmann und Dr. Kerstin Baumgarten von der zbb stellten gemeinsam mit Reinhold Frenz von Modern Learning die Lernarrangements vor. Inhaltlich musste völlig Neues erarbeitet werden, da weder in den Betrieben noch im Berufsschulunterricht Erfahrungen und Materialien für die Ausbildung des 3. Jahres vorlagen/vorliegen. Auch erste Berufsschulbücher für den Unterricht des 3. Jahres erschienen erst vor nicht allzu langer Zeit. Das Lernprogramm, das sich auf Beispiele aus bietet unterschiedliche, sehr individuell gestaltbare Lernwege: Lernsituationen, Glossar, Kenntnistrainer, multimediale Seiten, PDF-Dokumente (auch zum Ausdrucken), Lernstandskontrollen sind wesentliche Bausteine des Programms. Besonders interessant ist die integrierte Updatefunktion, die die internetgestützte Aktualisierung und Erweiterung des Lernprogramms ermöglicht.
Aus Sicht der Veranstalter sprachen Prof. Dr. Reinhold Weiß (stv. Präsident des BIBB), Horst Zöller (Rewe-Group und Vorsitzender des HDE/BGA-Bildungsausschusses), Jens Vojta (Ver.di), Wilfried Malcher (HDE); Hannelore Paulini-Schlottau und Werner Gerwin (beide BIBB) steuerten Beiträge über die Entstehung und Zielsetzung des Lernprogramms bei. Alle Redner waren sich über die Bedeutung des Programms für die Bildungspraxis im Einzelhandel einig; der Einzelhandel konnte sich als moderner und innovativer Ausbildungsbereich präsentieren.
Jetzt gilt es, im Wesentlichen folgende Arbeiten zu erledigen:
- Fertigstellung des ersten Lernprogrammteils (Einzelhandelsprozesse und die Wahlqualifikationseinheiten Ware, Beratung, Verkauf; Personal; Kaufmännische Steuerung und Kontrolle; IT-Anwendungen), was noch in 2006 erfolgen wird.
- Ergänzung des Programms um die Bausteine Warenwirtschaftliche Analyse, Beschaffungsorientierte Warenwirtschaft und Marketing; dies ist bis Mitte 2007 vorgesehen.
- Eine Marketing- und Verkaufsstrategie muss entwickelt werden.
- Es muss eine überzeugende Lösung gefunden werden für die vereinfachte und nach bundesweit einheitlichen und verlässlichen Kriterien erfolgende Zulassung der mit Hilfe des Programms Lernenden zur Externenprüfung nach § 45 Abs. 2 BBiG, der im Grunde eine Einzelfallprüfung durch die zuständige Stelle vorsieht. Der schlichte Verweis auf die Gesetzeslage wäre ein "nicht akzeptables Lernhindernis" (Malcher). Denn dann müssten nach der Verkäuferprüfung noch 2 ½ weitere Jahre bis zur Kaufmannsprüfung vergehen. Nach Auffassung des HDE reichen rund 18 Monate aus, so dass von Beginn der Ausbildung an gerechnet nach insgesamt 3 ½ Jahren auch die Kaufmannsprüfung absolviert werden kann. Dies muss, so ist es jedenfalls Einvernehmen zwischen den Förderern des Projektes, durch eine Vereinbarung der verantwortlichen Institutionen oder einen Beschluss des BIBB-Hauptausschusses so festgezogen werden, dass sich jeder darauf verlassen kann, dass er auch zur Externenprüfung zugelassen wird.
Der HDE wird jedenfalls die weitere
Entwicklung des Projektes und die Anwendung des Lernprogramms in
der Praxis unterstützen. Zugleich ist der HDE an
Erfahrungsberichten interessiert, deren Auswertung die Ausbreitung
von multimedialem Lernen im Handel weiter befördern
können. Zu berücksichtigen ist schließlich auch die
ordnungspolitische Seite: Das sog. Anrechungsmodell bietet,
verknüpft mit Wahlqualifikationseinheiten, die die Betriebe
entsprechend ihrem jeweiligen Qualifikationsbedarf und ihren
Ausbil-dungsmöglichkeiten kombinieren können, allerbeste
Chancen für die Gestaltung moderner, flexibel nutzbarer und
zukunftsfähiger Ausbildungsberufe. Die Entwicklung von
Selbstlernhilfen und die gleichberechtigte Zulassung von
Absolventen zweijähriger Berufe zu den entsprechenden
Regelungen zur Aufstiegsfortbildung zeigen, dass es keine
beruflichen Sackgassen gibt, das Weiterlernen ermöglicht und
gefördert wird. Noch vorhandene Vorbehalte gegenüber
zweijährigen Ausbildungsberufen können so abgebaut werden
" wenn die Bereitschaft zur Aufgabe überkommener
Vorbehalte im Grunde vorhanden ist.
2. Tagungsdokumentation des BIBB und gemeinsame Pressemitteilung von HDE, Ver.di und BIBB
Einzelhandel: Multimediales Lernen für beruflichen Erfolg nutzen! - Gemeinsame Pressemitteilung von BIBB, HDE und ver.di (21.09.2006)
Im Einzelhandel stehen motivierten Absolventen und Absolventinnen des zweijährigen Ausbildungsberufs "Verkäufer/Verkäuferin" künftig moderne multimediale Lernmedien zur Fortsetzung der Ausbildung zur Verfügung. Diese bieten Interessierten die Chance, durch selbstständiges Lernen den Anschluss und die Durchlässigkeit zur dreijährigen Ausbildung zum "Kaufmann/zur Kauffrau im Einzelhandel" zu erreichen. Junge Menschen können so ihre Berufsausbildung unabhängig von Zeit und Ort fortsetzen bzw. erhalten multimediale Unterstützung in ihrem dritten Ausbildungsjahr. Die Lernarrangements auf fünf CD-ROM"s umfassen vielschichtige Lern- und Handlungssituationen, die in einer virtuellen Lernumgebung ansetzen und einen starken Praxisbezug haben. Sie setzen die Innovationen der 2004 grundlegend modernisierten Ausbildung in den Einzelhandelsberufen fort und bieten der Bildungspraxis wichtige Unterstützung.
Die CD-ROM"s wurden vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Kooperation mit dem Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) sowie der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di konzipiert, produziert und auf einer gemeinsamen Fachtagung in Bonn der Fachöffentlichkeit vorgestellt. An der Entwicklung mit beteiligt waren zudem die Zentralstelle für Berufsbildung im Einzelhandel (zbb), ModernLearning und das Bildungszentrum des Einzelhandels in Frankfurt/Oder. Die Lernarrangements decken den größten Teil der Inhalte des dritten Ausbildungsjahres im Ausbildungsberuf "Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel" ab. Interessierte können sich so die betrieblichen und berufsschulischen Inhalte in einem multimedialen Selbstlernprozess aneignen. Die Vorbereitung auf die Abschlussprüfung zum "Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel" und somit die Zulassung zur Externenprüfung wird erleichtert. Zusätzlich sollen die Lernarrangements auch entsprechende Bildungsmaßnahmen der Bildungszentren des Handels sowie der beruflichen Schulen unterstützen.
Die Lernarrangements
- Einzelhandelsprozesse,
- Beratung, Ware und Verkauf,
- kaufmännische Steuerung und Kontrolle,
- IT-Anwendungen und
- Personal
orientieren sich an den Pflicht- und Wahlqualifikationen der modernisierten Ausbildung. Weitere Lernarrangements zu warenwirtschaftlicher Analyse, beschaffungsorientierter Warenwirtschaft und Marketing werden bis Mitte 2007 folgen.
Für Prof. Reinhold Weiß, stellvertretender Präsident und Forschungsdirektor des BIBB, stellt die Entwicklung der Lernarrangements einen "wichtigen Meilenstein" dar. "Von den jetzt gesammelten Erfahrungen werden entscheidende Impulse für die zukünftige Ausbildungsgestaltung und die Möglichkeiten einer praxisnahen Qualifizierung mit Hilfe des Computer Based Trainings (CBT) ausgehen. Insofern kommt diesem Projekt eine Bedeutung weit über den Bereich der Einzelhandelsberufe zu."
Horst Zöller, Rewe Zentral AG und Vorsitzender des HDE/BGA-Bildungsausschusses, betont, "dass in den Unternehmen das Lernen via CBT viel schneller angenommen wird als wir dies vermutet haben". Zöller weiter: "Auch wird die Möglichkeit, sich durch aktives Einbeziehen in den Lernprozess und mit unterschiedlichen Sinnen " Sehen und Hören " etwas Neues anzueignen, von den Beschäftigten als sehr angenehm und kompetenzfördernd angesehen."
Als ein Produkt "aktiver Sozialpartnerschaft" bezeichnet Jens Vojta (ver.di) die entstandenen CD-ROM"s: "Mit der Entwicklung dieser Lernarrangements ist eine gute inhaltliche Verbesserung der neu gestalteten Berufsausbildung geschaffen worden. Die Ungleichheit zwischen der zwei- und der dreijährigen Ausbildung im Einzelhandel kann damit gemildert werden."
Weitere Informationen sowie "Einblicke" in die Lernarrangements enthält die Dokumentation der gemeinsam von BIBB, HDE und ver.di ausgetragenen Fachkonferenz "Multimediale Berufsbildung im Einzelhandel. Neue Chancen?" im Internetangebot des BIBB:
http://www.bibb.de/de/27195.htm.
Hintergründe und Einladung: Multimediale Berufsbildung im Einzelhandel - Neue Chancen?
Im Zusammenhang mit der sehr erfolgreichen Neuordnung der Einzelhandelsberufe von 2004 haben HDE und Ver.di mit Unterstützung von BMWi und BMBF vereinbart, Maßnahmen zu ergreifen, die es gelernten Verkäufern/Verkäuferinnen ermöglichen, sich durch selbstständiges Lernen auch dann fundiert auf die Abschlussprüfung im Beruf Kaufmann/Kauffrau im Einzelhandel vorbereiten zu können, wenn kein betrieblicher Anschluß-Ausbildungsvertrag über das "3. Jahr" vorliegt. Zur Vorbereitung auf die sog. Externenprüfung nach § 45 BBiG wurden im Rahmen eines durch BMBF/BIBB geförderten Entwicklungsprojektes Lernarrangements über die Inhalte des 3. Ausbildungsjahres erstellt. Auftragnehmer des BIBB ist die Zentralstelle für Berufsbildung im Einzelhandel (zbb).
Auf einer gemeinsam von HDE, BIBB und Ver.di verantworteten Tagung soll nun das erarbeitete multimediale Lernprogramm einer interessierten Fachöffentlichkeit aus Unternehmen, Bildungseinrichtungen, Verbänden, Forschung und Politik vorgestellt werden. Diese Fachtagung findet am 24. August 2006 im Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn statt. Im folgenden verbreiten wir die Einladung sowie einen Vordruck für die Anmeldung, die unmittelbar beim BIBB erfolgt.
Wir erwarten uns von dieser Fachtagung "Multimediale Berufsbildung im Einzelhandel " Neue Chancen?" neue Impulse für die qualitative Weiterentwicklung der Beruflichen Bildung im Einzelhandel. Die entwickelten Lernarrangements können nicht nur durch die hauptsächlich angesprochene Zielgruppe, sondern sehr viel breiter in der betrieblichen wie auch außerbetrieblichen Ausbildung und auch der Weiterbildung eingesetzt werden.
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