HDE

Verkehr und Beschaffung

Der Handel ist als Versorger von rund 80 Millionen deutschen und knapp 500 Millionen Bürgerinnen und Bürgern der EU essenziell für das moderne Wirtschaftsystem. Jeden Tag werden Waren von nah und fern an den Standorten des Handels in unmittelbarer Nähe der Kunden bereit gestellt. Jedes Produkt wird in der Regel mehrfach transportiert, bevor der Kunde es im Regal seines Einzelhandelsgeschäfts vorfindet. Die Transportkosten haben meist einen geschätzten Anteil von 10-15 Prozent am Endpreis des Produkts (6).

Komplexe Logistiksysteme
Die Transportlogistik eines Handelsunternehmens ist geprägt durch sich ständig verändernde Sortimente und eine große Vielfalt von bis zu mehreren 10.000 Produkten. Bei Lebensmitteln ist der schnelle und richtige Transport auch eine Frage der Lebensmittelsicherheit, denn es gilt beispielsweise, die Kühlkette nicht zu unterbrechen. Durch die vielen Standorte des Handels entstehen sehr komplexe Verkehrsvernetzungen. Gebündelt werden die Verkehrsströme meist in Zentrallagern in der Nähe großer Städte.

LKW und Alternativen
Grundsätzlich hat der Handel die Möglichkeit, alle Verkehrsträger zu nutzen: Interkontinentale Transporte von unverderblichen Gütern erfolgen in der Regel mit dem Schiff, während bestimmte Lebensmittel (z. B. tropische Früchte) mit dem Flugzeug transportiert werden. Innerhalb Deutschlands und Europas erfolgt der größte Teil der Transporte mit dem LKW. Allerdings versuchen mehr und mehr Handelsunternehmen, die Nutzung alternativer Verkehrsträger wie der Schiene oder der Binnenschifffahrt auszubauen. Dies kommt zum heutigen Zeitpunkt allerdings meist nur für bestimmte Produkte und besonders hoch ausgelastete Strecken (z. B. vom Überseehafen in ein großes Zentrallager) in Frage. Bei der Belieferung der Verkaufsstätten gibt es bislang in den seltensten Fällen Alternativen zur Straße.

Effizienzgewinne
Einzelhandelsunternehmen arbeiten seit Jahren im engen Schulterschluss mit ihren Transportdienstleistern und ihren Industriepartnern an Effizienzgewinnen. Dies erfolgt insbesondere im Rahmen der Plattformen GS1 Germany und ECR Europe (7). Zu den gemeinsamen Zielen gehören unter anderem eine möglichst gute Auslastung der benutzten Transportmittel und die Minimierung von Leerfahrten. Zu den weiteren Maßnahmen gehören Fahrertrainings, die Optimierung von Streckn mithilfe moderner EDV-Systeme und die laufende Modernisierung der LKW-Flotten. Darüber hinaus haben verschiedene Unternehmen freiwillig den Biospritanteil am verwendeten Treibstoff spürbar erhöht. Zum Teil werden auch alternative Antriebstechnologien (z. B. Elektrofahrzeuge) bei firmeneigenen Fahrzeugen genutzt. Im Lebensmittelbereich werden zunehmend Drei-Kammer-LKW eingesetzt, um gleichzeitig frische, gekühlte und tiefgekühlte Ware transportieren zu können. Auf diese Weise muss die Filiale nicht mehr von drei verschiedenen LKW-Typen angefahren werden. Außerdem legen mehr und mehr Handelsunternehmen ökologische Anforderungen für ihre Transportdienstleister fest.

Beschaffung und Kundenzeitungen
Außer der Transportlogistik für zum Weiterverkauf bestimmte Waren fällt auch der Ressourcenverbrauch durch die Kundenzeitungen des Handels ins Gewicht. Bei den großen Handelsunternehmen erreichen diese Werbeprospekte Millionenauflagen – ein guter Grund, auch in diesem Bereich auf umweltfreundlichere Alternativen zu setzen.

6 European Retail Forum, Issue paper No. 2 – Optimisation of Distribution Systems
7 In der ECR-Initiative (Efficient Consumer Response) haben sich führende Unternehmen aus Handel, der Konsum- und Gebrauchsgüterwirtschaft sowie den angrenzenden Wirtschaftsbereichen zusammen geschlossen. Sie zielt auf Kostenreduktion und bessere Befriedigung von Konsumentenbedürfnissen ab. Die deutsche ECR-Initiative wurde im Mai 1995 ins Leben gerufen und kurze Zeit später in die GS1 Germany (Global Standards One) integriert.

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